| Zugriffsnummer | 52752 |
| Dokumenttyp | Bericht |
| Peer Review | unbekannt |
| Sprache | Deutsch ; Englisch |
| Titel | Risiken des Einsatzes von Fern-UVC-Strahlung zur Desinfektion in Anwesenheit von Menschen. Empfehlung der Strahlenschutzkommission |
| Übersetzungstitel | Risks of using far-UVC radiation for disinfection in the presence of people. Recommendation of the German Commission on Radiological Protection |
| Autor(in); Institution |
Udovicic, Ljiljana; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, GERMANY
Brenner, Bernhard; Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München, GERMANY
Brose, Martin; Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, Köln, GERMANY
Greinert, Rüdiger; Elbe Klinikum Buxtehude, Buxtehude, GERMANY
Herr, Caroline; Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Erlangen, GERMANY; Landesinstitut für Arbeitsschutz und Produktsicherheit; umweltbezogener Gesundheitsschutz, Erlangen, GERMANY
Hoffmann, Mathias; Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Hannover-Hildesheim, GERMANY
Sperfeld, Peter; 4.1, Photometrie und Spektroradiometrie, PTB-Braunschweig
Volkmer, Beate; Elbe Klinikum Buxtehude, Buxtehude, GERMANY
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| Quelle/Jahr | Jahresbericht 2023 der Strahlenschutzkomission:(2023) |
| Herausgeber(in) |
Geschäftsstelle der Strahlenschutzkommission
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| Zusammenfassung | UVC-Strahlung ist in der Lage, krankheitserregende Mikroorganismen und Viren abzutöten oder zu inaktivieren. Mit einer Wellenlänge von 254 nm wird sie daher seit Jahrzehnten in geschlossenen Systemen oder mit abgeschirmten Strahlungsquellen zur Desinfektion von Wasser, Raumluft oder festen Oberflächen eingesetzt. Diese Strahlung kann sowohl akute als auch langfristige Schädigungen der Augen und der Haut beim Menschen verursachen. Um eine unbeabsichtigte Exposition von Personen zu vermeiden, wurden daher bislang entsprechende Vorkehrungen getroffen. Im beruflichen Kontext sind, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann, Expositionsgrenzwerte einzuhalten, die auf Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) beruhen. Individuell angepasste Schutzmaßnahmen sind darüber hinaus für Beschäftigte vorgesehen, wenn sie vulnerablen Gruppen angehören, die besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung sind. Lediglich die Einhaltung der Expositionsgrenzwerte reicht für diese Beschäftigten dann nicht in jedem Fall aus. Seit einigen Jahren wird der Einsatz von sogenannter Fern-UVC-Strahlung zur Desinfektion durch nicht abgeschirmte, offene Strahlungsquellen in Anwesenheit von Menschen, z. B. im öffentlichen Raum, diskutiert. Fern-UVC-Strahlung umfasst den Spektralbereich von 200 nm bis 240 nm, eingesetzt wird meist die Wellenlänge von 222 nm. Aufgrund sehr geringer Eindringtiefe der Fern-UVC-Strahlung in Auge und Haut im Gegensatz zur UVC-Strahlung bei 254 nm wird häufig argumentiert, dass keine akuten und langfristigen gesundheitlichen Folgen für Menschen zu erwarten sind. Möglicherweise vulnerable Gruppen fanden in der Diskussion bisher keine Berücksichtigung. Zu ihnen gehören Kinder, ältere Menschen mit einer dünneren Haut oder Menschen mit Haut- und Augenerkrankungen. Eine Lockerung der UVC-Expositionsgrenzwerte wird derzeit auf internationaler Ebene diskutiert. Vor diesem Hintergrund wurde die Strahlenschutzkommission (SSK) beauftragt, zu den Risiken des Einsatzes von Fern-UVC-Strahlung zur Desinfektion in Anwesenheit von Menschen, auch unter Berücksichtigung vulnerabler Gruppen, Stellung zu nehmen. In Anbetracht der potenziell schädigenden photobiologischen Wirkungen von UVC-Strahlung hält die SSK die derzeitige Datenlage für nicht ausreichend, um Gesundheitsrisiken durch den Einsatz von Fern-UVC-Strahlung (zur Desinfektion in Anwesenheit von Menschen im öffentlichen Raum) für die Bevölkerung ausschließen zu können. Die SSK empfiehlt daher, den Einsatz von Fern-UVC-Strahlung durch eine Rechtsnorm zu regeln, um eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung abzuwenden. Zumindest empfiehlt die SSK, den Schutz der Bevölkerung auf dem Niveau der bestehenden Arbeitsschutzregelungen anzustreben, die auf den empfohlenen Expositionsgrenzwerten der ICNIRP basieren. Darüber hinaus hält die SSK es für erforderlich, vulnerable Gruppen vor dem Einsatz von Fern-UVC-Strahlung besonders zu schützen. Im medizinischen Bereich betrachtet die SSK den kontrollierten, vorübergehenden Einsatz von Fern-UVC-Strahlung, z. B. zur prophylaktischen Desinfektion, aus Strahlenschutzgesichtspunkten als vertretbar, sofern er nach vorhergehender Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgt. Abstract in English: UVC radiation is able to kill or inactivate pathogenic microorganisms and viruses. With a wavelength of 254 nm, it has therefore been used for decades in enclosed systems or with shielded radiation sources to disinfect water, room air or solid surfaces. This radiation can cause both acute and long-term damage to the eyes and skin of humans. Appropriate precautions have therefore been taken to avoid unintentional exposure of people. In an occupational context, if exposure cannot be ruled out, exposure limits based on the recommendations of the International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) must be met. Individually adapted protective measures are also provided for employees if they belong to vulnerable groups that are particularly sensitive to UV radiation. Compliance with the exposure limits alone is not always sufficient for these employees. The use of so-called far-UVC radiation for disinfection by unshielded, open radiation sources in the presence of people, e.g. in public spaces, has been discussed for several years. Far-UVC radiation covers the spectral range from 200 nm to 240 nm; the wavelength of 222 nm is usually used. Due to the very low penetration depth of far-UVC radiation into the eye and skin in contrast to UVC radiation at 254 nm, it is often argued that no acute or long-term health consequences for humans are to be expected. Potentially vulnerable groups have not yet been considered in the discussion. These include children, older people with thinner skin or people with skin and eye diseases. It is currently being discussed at international level to relax the UVC exposure limits. Against this background, the Commission on Radiological Protection (Strahlenschutzkommission – SSK) was commissioned to comment on the risks of using far-UVC radiation for disinfection in the presence of people, also taking into account vulnerable groups. In view of the potentially harmful photobiological effects of UVC radiation, the SSK considers the current data situation to be insufficient to rule out health risks to the population from the use of far-UVC radiation (for disinfection in the presence of people in public spaces). The SSK therefore recommends that the use of far-UVC radiation be regulated by a legal norm in order to avert a possible health risk to the population. It is recommended to aim for protection of the population at least at the level of the existing occupational health and safety regulations, which are based on the ICNIRP exposure limits. In addition, the SSK considers it necessary to provide special protection for vulnerable groups from the use of far-UVC radiation. In the medical field, the SSK considers the controlled, temporary use of far-UVC radiation, e.g. for prophylactic disinfection, to be justifiable from a radiation protection point of view, provided that it is carried out after prior consideration of the benefits and risks. |