| Zugriffsnummer | 20343 |
| Dokumenttyp | Zeitschriftenartikel |
| Sprache | Deutsch |
| Titel | Schall und Akustik in der PTB |
| Autor(in); Institution |
Scholl, Werner; 1.7, Angewandte Akustik, PTB-Braunschweig
Koch, Christian; 1.6, Schall, PTB-Braunschweig
|
| Quelle/Jahr | PTB-Mitteilungen: 117 (2007), 1, 5 - 6 |
| ISSN | 0030-834X |
| DOI | |
| Verlag | Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW |
| Zusammenfassung | Menschen sprechen miteinander ... die Durchsage am Bahnsteig ist kaum zu verstehen ... bei der Arbeit war es heute wieder unerträglich laut ... Karl wäre fast überfahren worden, weil er das Auto nicht gehört hat... Heinz hat Nierensteine, die entfernt werden müssen ... Karin wurde mit einem neuen Skalpell operiert - es hat kaum geblutet ... Hannelore weiß jetzt, dass sie Zwillinge bekommt .. die Bewohner der beiden Reihenhäuser fühlen sich so gestört, dass sie prozessieren ... die Sanitärfirma kann sich nicht erklären, warum der Bauherr die Abwasseranlage nicht bezahlen will, obwohl sie nach bestem Wissen installiert wurde ... Was haben diese Situationen gemeinsam? Es geht immer um Schall. Hiervon ist jeder von uns in irgendeiner Form betroffen. Schall kann erfreulich, schön, störend, schädlich, aber auch unhörbar sein (Ultraschall). Schall hat technische Aspekte (wie Tonhöhe, Pegel, Leistung), psychologische Aspekte (angenehm ... unangenehm), aber auch wirtschaftliche. So lassen sich für Deutschland jährliche Lärmfolgekosten in Milliardenhöhe abschätzen (Grünbuch der Europäischen Kommission: Künftige Lärmschutzpolitik). Schallvorgänge zu verstehen, messbar zu machen und gezielt einzusetzen oder verhindern zu können, sind demnach wichtige Aufgaben. Dazu unterhält die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zwei Fachbereiche mit zahlreichen Messeinrichtungen und breiter Kompetenz. Die Tätigkeiten umfassen dabei ganz grundlegende Dinge, wie die Darstellung der Einheit des Schalldrucks (1 Pa = Pascal) und der Schallleistung (1 W = Watt), die die PTB in gesetzlichem Auftrag durchführt. Weiterhin werden schalltechnische Geräte kalibriert oder zertifiziert (Hydrophone, Mikrophone, Ohrsimulatoren, Schallkalibratoren, Trittschall-Hammerwerke, Referenzschallquellen, Messlautsprecher) oder erhalten eine PTB-Bauartzulassung nach dem Eichgesetz (Schallpegelmesser und Schallkalibratoren). Die PTB ist übrigens eine der wenigen Stellen weltweit, die Schallpegelmessgeräte vollständig entsprechend der international geltenden Norm prüfen kann. Die Akustiker der PTB werden auch eingeschaltet, wenn es neue Schallprüfstellen bauaufsichtlich anzuerkennen oder die mehr als 100 bestehenden regelmäßig zu überprüfen gilt - eine gesetzliche Aufgabe, deren technischer Teil der PTB von der Obersten Bauaufsichtsbehörde übertragen wurde. Aber im Bereich Akustik wird nicht nur bewahrt und kontrolliert, sondern in großem Umfang Forschung an vorderster Front betrieben. Zuerst einmal für die genannten gesetzlichen Aufgaben. Ziel ist es, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Normale für Einheiten und Kalibrierungen zu erhöhen. Dabei reicht das Spektrum von Mikrofonnormalen bis hin zu Normalhörschwellen für die Audiometrie. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Entwicklung neuer oder verbesserter Messplätze für Bauartprüfungen. Aber auch anwendungsorientierte Themen nehmen einen weiten Raum ein. Die Verbesserung der Messmethoden zur Bestimmung der Schallfelder von Ultraschalldiagnosegeräten hilft deren Sicherheit bei der millionenfachen Anwendung zu erhöhen. Der Wandel in der Audiometrie von subjektiven zu objektiven Verfahren z. B. mit Hirnstrommessungen erfordert vollkommen neue Referenzverfahren, um überall äquivalente Resultate zu garantieren. Die Untersuchung der Kavitationswirkungen in Ultraschall-Reinigungsgeräten führt über das bessere Verständnis der komplizierten stochastischen Vorgänge zu effektiveren Geräten. In der Bauakustik wurde eine Modellmesstechnik geschaffen, die akustische Untersuchungen "in Gebäuden" zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten erlaubt. Für die oberste deutsche Bauaufsichtsbehörde wird zur Zeit ein weltweit einmaliger Fundus an Ringversuchen zur Schalldämmung ausgewertet, um der Problematik der Unsicherheit von Messungen und Prognosen in der Bauakustik näher zu kommen. Und was wäre bauakustisches Messen ohne die quantitative Beschreibung der Schallfelder und ihre Auralisation durch die Raumakustik! Weitere aktuelle Forschungsthemen betreffen die Installationsgeräusche in Gebäuden - ein alltägliches und damit scheinbar triviales, in Wirklichkeit aber höchst komplexes Problem, an dem sich weltweit die Akustiker die Köpfe zerbrechen. Die heimische Fertighausindustrie hat der PTB hierfür ein ganzes Versuchshaus in Holzbauweise zur Verfügung gestellt. Zu erwähnen sind schließlich die Untersuchungen auf dem Gebiet der elastodynamischen Werkstoffparameter. Die Herausforderung besteht darin, Dämpfung, Schub- und Kompressionsmoduln komplex und frequenzabhängig zu ermitteln. Die Akustiker der PTB sind national und international in allen wichtigen Gremien vertreten - oder leiten diese selbst -, wo es um die Entwicklung neuer akustischer Messverfahren, um die Festlegung von Grenzwerten und um die Beratung von Industrie und Behörden bei der Umsetzung geht. Und wohin geht's in Zukunft? Einerseits zu noch höherer Genauigkeit, besserer Messtechnik, verlässlicheren Kalibrierverfahren und noch schnelleren Zulassungsprozeduren. Andererseits wird die Unsicherheit in der Akustik ein großes Thema bleiben. Gerade beim Zukunftsgebiet Körperschall in Gebäuden erfordert die Komplexität der Fragestellung neue Kompromisse zwischen Genauigkeit und Aufwand der Methoden. Nicht zuletzt will die Akustik in Zukunft dort noch wahrnehmungsgerechter messen und bewerten, wo der Mensch vom Schall betroffen ist. |